Schützend und auch schutzbedürftig
Die Haut gesund erhalten: Problembewusstsein und Tipps für die betriebliche Prävention von Hauterkrankungen
von Dr. Peter Kleesz | aus Akzente 1/2000
Nässe, Feuchtigkeit, Gefahrstoffe - die Haut, insbesondere an den Händen, ist bei der Arbeit vielfachen Belastungen ausgesetzt. Die natürliche Schutzhülle des Körpers ist selbst schutzbedürftig. Manchem Betrieb aber wird die Notwendigkeit präventiver Maßnahmen nur dann bewusst, wenn es Fälle von Hauterkrankungen gibt. Deshalb ein paar grundsätzliche Gedanken zur Prävention beruflicher Hauterkrankungen.
Hauterkrankungen gehören seit vielen Jahren zu den Spitzenreitern unter den Verdachtsanzeigen einer beruflich bedingten Erkrankung. Ein starker Anstieg der Hauterkrankungen war in den achtziger Jahren zu verzeichnen. Seit 1992 sind die Zahlen rückläufig. Das darf jedoch nicht Anlass geben, sich zurückzulehnen. Immer höhere Hygieneanforderungen können diesen Trend wieder umkehren und die Zahl der Hauterkrankungen zunehmen lassen - wenn sich der Betrieb nicht rechtzeitig um die Prävention kümmert.
Als Problem oft verkannt
Hauterkrankungen haben zwar in der Häufigkeitsstatistik einen hohen Stellenwert, als Problem sind sie deshalb aber noch lange nicht bewusst. Dafür gibt es mehrere Gründe: 1.000 Anzeigen einer beruflichen Hauterkrankung in 200.000 Kleinbetrieben - das würde eine Anzeige pro 200 Betriebe pro Jahr bedeuten. Da kann es schon sein, dass man ein oder mehrere Jahre keinen Fall mitbekommt.
An Hauterkrankungen stirbt man in der Regel nicht. Das darf jedoch nicht dazu führen, dass man Hauterkrankungen bagatellisiert. In fast allen Fällen hat der Betroffene Ekzeme der Hände. Viele Betroffene haben Angst davor, wie der Chef darauf reagiert. Viele glauben, dass andere Menschen das chronische Handekzem für ansteckend halten und ihr Verhalten ihnen gegenüber ändern. In solchen Fällen nützt die Erklärung, dass allergische Ekzeme, Neurodermitis und chronische Hautreizungen, die schließlich zu einem Ekzem führen, nicht durch Ansteckung entstehen, meist nicht besonders viel.
Risikoermittlung am konkreten Arbeitsplatz
Wie aber sieht die Prävention von Hauterkrankungen im Betrieb konkret aus? Müssen an allen Arbeitsplätzen Präventionsmaßnahmen durchgeführt werden? Manchmal entsteht der Eindruck, man müsste diese Frage bejahen. Die Technische Regel für Gefahrstoffe 531 "Arbeiten im feuchten Milieu (Feuchtarbeit)” weist z. B. auf das Problem hin, wenn die Haut bei der Arbeit viel mit Wasser oder anderen Lösemitteln in Kontakt kommt. Andererseits aber reizt auch trockene Luft die Haut. Diese Erfahrung machen z. B. Hautempfindliche in den Wintermonaten. An Computerarbeitsplätzen wird z. B. aus technologischen Gründen trockene Luft bevorzugt.
Prävention ist sicherlich sehr wichtig und wohl der Königsweg. Allerdings darf Vorsorge nicht Selbstzweck sein. Vorsorgemaßnahmen haben das Ziel, ein unerwünschtes Ereignis zu verhindern. Das ist hier vor allem das Handekzem. Prävention setzt dort an, wo ein relevantes Risiko vorhanden ist. Die Relevanz des Risikos lässt sich herausfinden, indem man eine Risikoermittlung und -bewertung durchführt. Wichtig ist hier auch die Bewertung insgesamt. Denn auch die Präventionsmaßnahme kann ein neues Risiko schaffen. Dieses darf nicht höher sein als das Risiko, das vermieden werden soll.
Prävention ist Unternehmersache. Das Risiko einer Hauterkrankung muss am konkreten Arbeitsplatz ermittelt werden. Die Auflistung von Berufen mit höheren Hauterkrankungsrisiken kann nur Anhaltspunkt sein. Denn die Technologien in einem Beruf sind manchmal sehr unterschiedlich, so dass die dortigen Expositionen nicht vergleichbar sind. Ebenfalls nur ein Hinweis - und nicht mehr - sind Stofflisten. Was eine Substanz auf der Haut bewirkt, hängt nämlich nicht allein von ihren Eigenschaften ab. Entscheidend sind z. B. auch die Konzentration, die Dauer bzw. Häufigkeit der Einwirkung, Temperatur und Intensität des Kontakts.
Um letztendlich eine Bewertung der Risiken vorzunehmen, kann es nützlich sein, auf eine externe Beratung z. B. durch die Berufsgenossenschaft oder Gewerbeaufsicht zurückzugreifen oder einen internen Experten wie die Sicherheitsfachkraft oder den Betriebsarzt einzuschalten bzw. das Erfahrungswissen "alter Hasen” zu nutzen.


Startseite
Onlinetests
Lesen & Hören
Allgemeine Infos zum Thema Haut
Übersicht

Seite zurück
Seite versenden
Druckversion